Fremde in Deutschland
Ein Überblick

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Fremde in Deutschland
Fremde in Deutschland


 
Ein kurzer geschichtlicher Überblick über Fremde in Deutschland
 
17. Jahrhundert: Flüchtlinge aus Frankreich

Als Folge von Reformation und Religionskriegen werden im 17. und 18. Jahrhundert viele Glaubensflüchtlinge, vor allem Hugenotten aus Frankreich, in den deutschen Staaten aufgenommen. Sie werden anfangs von vielen abgelehnt.

19. Jahrhundert: Arbeitskräfte aus Polen

Viele Polen werden als billige Arbeitskräfte für den Bergbau ins Ruhrgebiet geholt. Hier ist das Zentrum der deutschen Industrialisierung. Ihre deutschen Kumpel beschimpfen sie anfangs als ,,Lohndrücker" und "Polacken". Heute sind sie in Deutschland völlig integriert.

Nach 1945: deutsche Flüchtlinge aus dem Osten

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges werden Deutsche aus der Tschechoslowakei, aus Polen, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien vertrieben. Bis Ende der 50er Jahre kommen etwa 12 Millionen Menschen in die Bundesrepublik Deutschland, das sind 17% der Bevölkerung. Diese Fremden werden bald zu Einheimischen.

Ausländische Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen

Zwischen 1955 und 1973, in der Zeit des "Wirtschaftswunders", werden aus den Mittelmeerländern viele "Gastarbeiter" angeworben. Die Rotation ist hoch: insgesamt kommen 14 Millionen Arbeitskräfte, 11 Millionen davon kehren in ihr Heimatland zurück. Nach der "Ölkrise" 1973 verändert sich die Situation: viele ausländische Arbeitskräfte bleiben auf Dauer hier und holen ihre Familien nach Deutschland. Heute gibt es etwa 4,8 Mio. ausländische Arbeitnehmer sowie Familienangehörige in Deutschland. Die größte Gruppe kommt aus der Türkei. Offiziell ist Deutschland kein Einwanderungsland, aber viele Ausländer und Ausländerinnen sind keine Fremden mehr in Deutschland. Sie haben nur keinen deutschen Pass.

Aussiedler und Aussiedlerinnen

Nach 1950 leben noch etwa 4 Millionen Deutsche in Osteuropa. Auch nach dem Ende der Massenflucht kommen immer wieder Deutsche, z. B. aus Rumänien, in die Bundesrepublik. Man nennt sie Aussiedler. Mit den neuen Reisemöglichkeiten für die Bevölkerung der früher sozialistischen Länder steigen die Zahlen an. 1987 reisen ca. 80.000 Aussiedler in die Bundesrepublik ein, 1990 sind es knapp 400.000. Viele suchen in Deutschland bessere wirtschaftliche Bedingungen. Andere fühlen sich im Osten als deutsche Minderheit unterdrückt. Die Aussiedler müssen ihre deutsche Volkszugehörigkeit beweisen. Das ist oft problematisch. Viele sprechen die deutsche Sprache nicht gut oder gar nicht. In Deutschland haben sie zwar den Status "Deutsche", aber oft sind sie fremder als die ausländische Bevölkerung, die schon lange hier lebt.

 
Quelle: Nach: Bade, Klaus J. {ed.), Deutsche im Ausland, Fremde in Deutschland. Migration in Geschichte und Gegenwart, München 1992

Text: Heimatin Deutschland